sommersonntagmorgen

an einem sommersonntagmorgen
sitz ich zuhause ohne sorgen
lass die playlist laufen mit musik
von wille and the bandits nicht antik

wie sonst das meiste das ich höre
auf das es wonnig mich betöre
mit klängen aus den seventies
erleb ich mich im paradies

der blumenbekränzten kinder 
der gewalt und krieg überwinder
die die welt nicht ändern konnten
so sehr sie kämpften an allen fronten

einzelne sicher die fanden zur liebe
andere führte das kommerzgetriebe
aus dem vermeintlichen paradies hinaus
und sie bekannten geradeaus

dass sie nunmehr glaubten ans geld
ob das funktioniert sei dahingestellt
auf jeden fall sie wirken und werken
und ich weiss nicht ob sies bemerken

dass wie das paradies so auch das geld
und aller besitz vergänglich ist und
alles haben und sein sie nicht macht zum held
sondern eher zum sklaven und unterhund

der hechelnd nach anerkennung und macht
gerät in des abgrunds wege tiefe nacht
um schliesslich angelangt beim schweinetrog
zu erkennen dass der kommerz ihn belog

und dass nur die umkehr und abwendung
vom kapitalistischen weg und denken
ihn befreien kann aus der verbitterung
so dass er seinen schritt kann lenken

in eine neue freiheit in einen neuen frieden
die obschon vergänglich wie alles hienieden
ihn das leben lieben lässt ganz so wie es ist
denn weder geld noch liebe sind der antichrist

wenn etwas wichtig ist in diesem leben
für dich und mich dann ist das eben
die integration von dunkel und licht
und dafür schrieb ich soeben dies gedicht

lebenssoheit

wenn alles bedingt existiert
dann existiert auch jeder wille bedingt
der wille der sich ungeniert
und beschwingt erklärt als unbedingt

frei ausgehend von einem ich
unabhängig von allem drumherum
sieht das ich selbstherrlich
den willen als sein eigentum

und wähnt sich frei in allem wollen
ohne auch nur einmal klar zu sehen
welche freiheit einem demutsvollen
herzen möglich wäre zu geschehen

durch das erkennen der bedingtheit
in deren kontext das wollen sich entwickelt 
und das herz wär befreit von der geschäftigkeit
in die es sich als ich mit mein verwickelt

und so der illusion verfällt 
es gäbe einen freien willen
der sei das wahre selbst und dazu auserwählt
autonom und frei jeden herzenswunsch zu stillen

nur leider gibt es im realen geistesleben
keine besitzende und herrschende instanz
die als selbst sich identifizierend könnte streben
nach repräsentanz und dominanz

so lass ich los all mein verlangen
ergebe mich der unbeständigkeit
und übe mich in ruhigem empfangen
der lebenssoheit

getrennt verbunden

ich will keine grenzen ziehen
zwischen meiner und andern welten
nicht will ich deiner welt entfliehen
lieber möcht ich in ihr zelten

als gast für einen augenblick
mit meiner welt die deine nähren
mit dir teilen dein geschick
und mich in deiner welt bewähren

dazu muss ich deine welt nicht sehen
es genügt mich in sie einzufühlen
um dich zu verstehen
und so mein leiden abzukühlen

das leiden der getrenntheit
unserer erlebenswelten
von der nichts und niemand uns befreit
nur und sei es noch so selten

eine berührung
ein aufenthalt
eine führung
eine naturgewalt

die unsre welten kollidieren lässt
mal in schmerzen mal in lust
so dass der wind des geistes bläst
tief in unser beider brust

und uns leise rät
ihn nicht zu vergessen
und seine souveränität
sorgsam zu ermessen

im bewusstsein der vergänglichkeit
von berührung und naturgewalt
so dass jede ängstlichkeit
gerät in einen hinterhalt

und mir in meinem zelt in deiner welt 
unbeschadet und in frieden
wie dir in meiner welt in deinem zelt
ein erleben ist beschieden

das uns beide auferbaut und nährt
uns ermutigt und entzückt
und sich dergestalt bewährt
dass es unsern weg beglückt

und wir leichten fusses weiterwandern
wieder einmal abgekühlt
das eigne leiden wie auch das des andern
weil verbundenheit gefühlt

mit dem bösen leben

buchtipp

 


kaum etwas übt auf die menschheit größere faszination aus
als das böse und dessen widerstreit mit dem guten
stephen batchelor beleuchtet die vielfältigen facetten
dieses kulturprägenden verhältnisses
dabei bezieht er sowohl klassische religiöse sichtweisen
buddhismus christentum etc mit ein
als auch philosophische psychologische 
mythologische und naturwissenschaftliche

ein zeitgemäßer ansatz 
zu einem radikal anderen verständnis von gut und böse

der teufel inkarniert sich heute als die strukturelle gewalt
die die miteinander verbundene welt durchdringt und zerreißt
teile dieses globalen netzwerks als böse zu verteufeln
und andere als gut zu verherrlichen 
heisst die dinge voneinander zu trennen
wir ignorieren was die geschichte wiederholt und blutig gelehrt hat
und fahren unbeirrt damit fort das zu zerstören
was wir als das böse wahrnehmen 
in der hoffnung dass eines tages nur das gute 
das heisst wir und die werte die wir haben vorherrscht
nur steht jetzt viel mehr auf dem spiel als früher
die erde ist zu klein 
und unser zerstörungspotenzial zu immens geworden
als dass wir diese art von konflikt 
weiter aufrecht halten können

wilhelm busch

der weltling 
in worten wilhelm buschs

also hat es dir gefallen
hier in dieser schönen welt
so dass das vondannenwallen
dir nicht sonderlich gefällt

lass dich das doch nicht verdriessen
wenn du wirklich willst und meinst
wirst du wieder auferspriessen
nur nicht ganz genau wie einst

aber alter das bedenke
dass es hier doch manches gibt
zum exempel gicht und ränke
was im ganzen unbeliebt


seelenwanderung 

wohl tausendmal schon ist er hier
gestorben und wiedergeboren
sowohl als mensch wie auch als tier
mit kurzen und langen ohren

jetzt ist er ein armer blinder mann
es zittern ihm alle glieder
und dennoch wenn er nur irgend kann
kommt er noch tausendmal wieder


wiedergeburt 

wer nicht will wird nie zunichte
kehrt beständig wieder heim
frisch herauf zum alten lichte
dringt der neue lebenskeim

keiner fürchte zu versinken
der ins tiefe dunkel fährt
tausend möglichkeiten winken
ihm der gerne wiederkehrt

dennoch seh ich dich erbeben
eh du in die urne langst
weil dir bange vor dem leben
hast du vor dem tode angst




der asket 

im hochgebirg vor seiner höhle sass der asket 
nur noch ein rest von leib und seele infolge äusserster diät
demütig ihm zu füssen kniet
ein jüngling der sich längst bemüht
des strengen büssers strenge lehren
nachdenklich prüfend anzuhören
grad schliesst der klausner den sermon
und spricht bekehre dich mein sohn
verlass das böse weltgetriebe
vor allem unterlass die liebe
denn grade sie erweckt aufs neue
das leben und mit ihm die reue
da schau mich an ich bin so leicht
fast hab ich schon das nichts erreicht
und bald verschwind ich in das reine
zeit raum und traumlos allundeine
als so der meister in ekstase
sticht ihn ein bienchen in die nase
oh welch ein schrei
und dann das mienenspiel dabei
der jüngling stuzt und ruft was seh ich
wer solchermassen leidensfähig
wer so gefühlvoll und empfindlich
der fürcht ich lebt noch viel zu gründlich
und stirbt noch nicht zum letzten mal
mit diesem kühlen wort empfahl
der jüngling sich und stieg hernieder
ins tiefe tal und kam nicht wieder


der edle 
in worten wilhelm buschs

wärst du wirklich so ein rechter
und wahrhaftiger asket
so ein welt und kostverächter
der bis an die wurzel geht

dem des goldes freundlich blinken
dem die liebe eine last
der das essen und das trinken
der des ruhmes kränze hasst

das gekratze und gejucke
aller jammer hörte auf
kracks mit einem einzgen rucke
hemmtest du den weltenlauf

leiden und erlöschen

die fünf anhaftungsgruppen sind leiden wird der buddha zitiert

wir treffen hier auf zwei leicht verschiedene bezeichnungen
für auf den ersten blick dieselben phänomene
nämlich daseinsgruppen und anhaftungsgruppen

daseinsgruppen nennt man die fünf gruppen in die der buddha
die gesamten körperlichen und geistigen daseinserscheinungen
eingeordnet hat nämlich

die körperlichkeitsgruppe
die gefühlsgruppe
die wahrnehmungsgruppe
die gruppe der geistesformationen
die bewusstseinsgruppe

in den fünf daseinsgruppen sehen wir also die ganzheit des menschen
dieses gebilde die erscheinung das wesen die person
die wir als uns selbst als unser selbst erleben und benennen
und dieser ganze mensch ist sterblich ist vergänglich

wirklichkeitsgemässes erkennen beinhaltet unabdingbar
das erkennen und das eingeständnis 
der vergänglichkeit aller daseinserscheinungen

das leugnen oder ignorieren dieser tatsache führt nicht zu bewusstheit
sondern zu überheblichkeit und grössenwahn

der buddha betont zuerst die vergänglichkeit 
und die durch diese bedingte unzulänglichkeit 
der fünf daseinsgruppen in denen sich alles dasein erschöpft
darauf folgt das aufzeigen des unvergänglichen
das aber niemals von vergänglichem erlangt werden kann

das begehrliche oder zurückweisende beziehen 
der fünf gruppen auf ein ich
macht die daseinsgruppen zu anhaftungsgruppen 
die als leiden erlebt werden

die daseinsgruppen sind als solche
bedingt durch ihre vergänglichkeit unzulänglich
aber erst durch das ichen ichmachen ichidentifikation
und durch das meinen meinmachen aneignen als besitz
werden sie leidvoll erfahren 
da dadurch etwas vergängliches und unzulängliches
fälschlicherweise als ich selber oder als mein selbst 
oder als mir gehörig erkannt wird

etwas vergängliches und unzulängliches 
kann aber niemals wirklich ich selber oder mein selbst sein 
ebenso wenig wie irgendetwas vergängliches überhaupt 
mir tatsächlich gehören kann
da ich ja niemals wirkliche macht darüber haben kann
es vergeht unabhängig davon 
ob ich mit seinem vergehen einverstanden bin oder nicht

das erlöschen des leidens 
besteht also im erlöschen der anhaftungsgruppen
die anhaftungsgruppen erlöschen durch das erlöschen 
der sich in gier hass und verblendung äussernden triebe
das ist das erlöschen des wirkens 
oder das erlöschen mit einem daseinsrest

sind die anhaftungsgruppen als solche erloschen
dann existieren noch die daseinsgruppen 
bis auch sie als solche erlöschen

da kein anhaften mehr besteht 
sind auch keine triebe mehr da 
die nach dem vollständigen erlöschen der gruppen 
nach einem erneuten dasein
nach neuen daseinsgruppen 
greifen würden

es findet somit keine geburt 
keine erneute bildung und aneignung 
von daseinsgruppen mehr statt
das ist das vollständige erlöschen 
das erlöschen ohne daseinsrest

der weg zu dieser leiderlöschung 
ist der edle achtfache zur leiderlöschung führende pfad
die acht glieder dieses pfades verteilen sich auf die drei gebiete
der weisheit der ethik und der meditation
diese beinhalten das gesamte gebiet der schulung
der sich der buddhistische nachfolger unterzieht

was mich immer wieder beschäftigt hat sind die fünf gruppen als daseinsgruppen oder als anhaftungsgruppen
im hinblick auf lebenstrieb und todestrieb

da ich eher der gefahr 
eines pessimistischen verständnisses ausgesetzt bin
identifizierte ich das erlöschen des leidens lange zeit 
als das erlöschen der daseinsgruppen
ohne zu erkennen dass mein verlangen danach 
ausdruck des todesstriebes war

wohl steht das definitive erlöschen der daseinsgruppen 
am ende des befreiungsweges
jedoch bloss als konsequenz 
des zuvor schon erfolgten erlöschens der triebe

heute bin ich sehr auf der hut
vor dem immer mal wieder auftauchenden verlangen 
nach erlöschen der daseinsgruppen
und benenne es als das was es ist
nichtseins oder selbstvernichtungsbegehren

ganz anders jedoch wirkt sich das verlangen 
nach erlöschen der gruppen als anhaftungsgruppen aus

das anhaften an den gruppen 
kann ja gerade nur dank deren existenz als daseinsgruppen erkannt
und durch loslassen überwunden werden

die motivation für das entfalten des pfades 
kann also auf jeden fall für mich 
dem noch dem daseinsbegehren und nichtseinsbegehren 
ausgesetzten menschen nur im erlöschen des anhaftens liegen 
wobei ich mir aber bewusst bin
dass nach dem erlöschen allen haftens 
dereinst auch die daseinsgruppen endgültig erlöschen werden

richte ich den wunsch nach erlöschen 
auf das erlöschen der gruppen als daseinsgruppen
dann erlebe ich das aufsteigen von ablehnung
gegenüber dem leben und seinen vielfältigen phänomenen

richte ich den erlösungswunsch 
auf das erlöschen der gruppen als anhaftungsgruppen 
dann überwinde ich sowohl die bejahung 
als auch die verneinung des lebens
dann überwinde ich lebenstrieb und todestrieb
und das nennen wir 
nirvana

buddhanussati


du bist der vollendete
der das leiden beendete
du bist der erhabene
der mich stetig labende

du bist der erwachte
der uns die lehre brachte
deiner lehre weisheitswort
ist dem geiste zufluchtsort

nicht als gott nicht als ein geist
durch deine lehre den weg du weist
wer ihn geht wie du gewiesen
findet im gehen ihn bewiesen

wer die lehre sieht sieht dich
und erkennt was untrüglich
frei wird er von daseins lust
und von überdruss und frust

frei zuletzt von wahns gestalten
lässt er nicht illusion mehr walten
er erwacht zur wirklichkeit
ist so von allem leid befreit

dir gleich wird sein hast du gesagt
wer deinen weg zu gehen wagt
so will ich mutig und entschieden
den pfad entfalten hin zum frieden


abgrunds wege


dunkel sind des abgrunds wege
musst du sie gehen gehe rege
schau nicht hinab und bleib nicht stehen
willst du den morgen wieder sehen

lass die schatten kommen und gehn
beachte sie nicht und lass sie verwehn
denn willst du mit ihnen tändeln und lachen
werden sie sich vertausendfachen

sie werden dir schmeicheln und werden dich locken
sie werden lustvoll ihm wahn frohlocken
sie werden dich binden sie werden dich knebeln
sie werden dich in den abgrund hebeln

dunkel sind des abgrunds wege
musst du sie gehen gehe rege
schau nicht hinab und bleib nicht stehen
willst du den morgen wieder sehen

ich liebe dich


meiner herzensguten lieben frau
schlag ich das rad gleich wie der pfau
ich will der schönste für dich sein
und mehr im sein noch als im schein  

du kennst mich gut und inniglich
du kennst mich auch charakterlich
du kennst mich ganz so wie ich bin
du offenbarst mir meinen sinn

du bist der spiegel meiner seele
dem ihr bild ich anbefehle
du nimmst mich ernst wenn not es tut
noch nie hast du mich ausgebuht

ich liebe dich so wie du bist
hier in dieser erdenfrist
du bist das gute schöne wahre
das ich immer neu erfahre

du bist die frau die mich ergänzt
und im menschsein mit mir glänzt
als frau und mann in eins gefasst
sind wir zusammen hier ein gast          

so freu ich mich aufs weiterwandern   
mit dir gemeinsam und mit andern     
den segen gottes wünsch ich dir
und sein lebenselixier

realisation

der dhamma die realisation der lehre buddhas
wird vom buddha selber als ein floss bezeichnet
das uns über den strom des leidens 
unter alter krankheit und tod 
zu tragen vermag

und immer wieder steige ich aus aus diesem floss
mitten im strom
im vertrauen auf meine eigene fähigkeit und kraft
das andere ufer schwimmend zu erreichen

aber bisher hat meine kraft noch nie ausgereicht dazu

deshalb entferne ich mich nie soweit weg vom floss
dass ich es nicht mehr sehen 
und schwimmend wieder erreichen könnte
um erschöpft und ausser atem 
mich wieder ein stück weit tragen zu lassen

es ist eine grosse freude zu erkennen 
dass der pfad zur befreiung 
auf dem alle buddhas gewandelt sind
stets da ist stets unverändert ist und stets offen ist 
für diejenigen die gewillt sind ihn zu beschreiten
(gampopa)

es gibt keine verurteilung für das verlassen des flosses
für das suchen und gehen anderer wege

jederzeit nimmt das floss dich wieder auf 
wenn du willig bist dich tragen zu lassen
jederzeit kannst du den weg des dhamma wieder betreten
und auf ihm ein stück weiter wandern

und jederzeit darfst du das floss wieder verlassen
um schwimmend dich zu erfreuen 
an deiner irdischen kraft
und jederzeit darfst du den weg wieder verlassen
um deinen orientierungssinn zu testen
im erforschen unbekannten geländes

du bist frei

lebenssatt

die zukunft 
wird zur gegenwart 
und entschwindet in die vergangenheit

so kommen auch wir aus der zukunft
werden zur gegenwart
und entschwinden in die vergangenheit

mein lebensziel liegt in der zukunft
es wird zum lebenssinn in der gegenwart
und erlischt in der vergangenheit

die wahre heimat ist 
das in der zukunft liegende ziel meines lebens
das von mir nie erreicht werden wird

aber von dieser zukunft 
von diesem lebensziel
von der wahren heimat her
lebe ich gegenwärtig
das heisst auftauchend schon versinkend
mein leben
und das ist der sinn

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

und erlösche
lebenssatt

so viel freude so viel leid
so viel lust so viel schmerz
so viel gewinn so viel verlust
so viel liebe so viel hass
so viel licht so viel dunkel
so viel begehren so viel genügsamkeit

so viel von allem was dieses leben zu bieten hat
und ich esse und verdaue und esse und verdaue
immer hungrig und längst schon satt

ich begehre nach dem ziel
das als sinn der gegenwart
in diesem einen leben zu finden ist

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

und erlösche
lebenssatt

wie wird ein herz zur sonne
die alles überstrahlt und erleuchtet
wenn nicht durch tiefe einsicht
in die selbstlosigkeit und bedingtheit des seins

denn
wer selber scheinen will wird nicht erleuchtet
und wird auch für niemand anderes zum licht

mit dem aufgeben des selbstbezogenen wollens 
ist das todlose verwirklicht
lehrte der buddha

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

dieses regnende herz
das sich spiegelt
in tränenfeuchten augen

und erlösche
lebenssatt

aber eines ist es lebenssatt zu sein
ein anderes das leben satt zu haben

mit sechzig jahren bin ich vielleicht alt
aber wenn ich mir vorstelle
achtzig neunzig oder hundert jährig zu werden
dann habe ich noch zwanzig dreissig oder vierzig jahre vor mir
also noch einmal etwa die hälfte meines bisher gelebten lebens

das ist noch eine lange eine sehr sehr lange zeit
für einen menschen wie mich
der sich nach vollständigem erlöschen sehnt
nach erlösung befriedung befreiung vom sein

für einen menschen wie mich
der keine aufgabe mehr sieht für sich
in diesem leben

für einen menschen wie mich
der sich der aufgabe
die er vielleicht doch noch sieht
nicht gewachsen fühlt

für einen menschen wie mich
der sich vorstellt und wünscht
bereits getan zu haben was zu tun war
für diese welt

der aber täglich stündlich bemerkt dass dem nicht so ist
dass er sich mit dieser vorstellung
nur um seine aufgaben drückt
die darauf warten von ihm getan zu werden
und das erst noch freudig und fürsorglich

denn das ist dieses menschen der ich bin selbstanspruch
dass er den mut aufbringe zur freude am leben
und den mut zur fürsorge im leiden

am morgen bei der kurzen yoga übung
fühlen sich diese beiden mantren gut an
mut zur freude
fürsorge im leiden

wie sich so viele geistige einsichten sehr gut anfühlen
aber ebenso schlecht wenn sie im laufe des tages
an den mauern der alltäglichen seins zerschellen

dennoch bleibt die erlösung
das nirvana zu lebzeiten
das einzige ziel
der einzige sinn
für das weiterhin zu leben es sich für mich lohnt
es existiert keine alternative dazu für mich

es mag sein dass dieses ziel zusammenfallen wird
mit dem letzten atemzug den ich tun werde im sein
sollte es so kommen
dann wird mein letztes ein und ausatmen
unvergleichlich sein

die vollkommene versöhnung 
mit dem geborenwerden altern leiden und sterben
die vollkommene befriedigung und befriedung
die vollkommene befreiung

für diesen sinn
für dieses erleben
mache ich mein herz zur sonne

und erlösche
lebenssatt

gesättigt durch freude und leid
mich weder mit diesem noch mit jenem identifizierend
noch dieses oder jenes in besitz nehmend
als meine freude oder mein leid

freude ist da
leiden ist da
soheit ist

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

und in alle ewigkeit gegenwärtig
auftauchend schon versunken
dennoch bleibend

leben
frei von ich frei von selbst
frei von mein und dein
todlos

nur eines stirbt
nur eines erlischt
nur dieser eine wahn
nur diese eine illusion
das selbst

wo ich noch leide
da leide ich unter dieser illusion
und an ihrem anspruch auf den freien willen
den es nicht gibt und nicht geben kann
da sich der wille aus bedingungen entfaltet
also bedingt entsteht
und vergeht

es ist nicht leicht und eine grosse herausforderung
die soheit des seins vollständig zu akzeptieren
aber ein anderer weg
zu innerem frieden und geistiger freiheit
ist mir nicht ersichtlich

für diesen sinn
für dieses erleben
mache ich mein herz zur sonne
und erlösche

lebenssatt