12. Juli 2018

10. Juli 2018

der dhamma die realisation der lehre buddhas
wird vom buddha selber als ein floss bezeichnet
das uns über den strom des leidens 
unter alter krankheit und tod 
zu tragen vermag

und immer wieder steige ich aus aus diesem floss
mitten im strom
im vertrauen auf meine eigene fähigkeit und kraft
das andere ufer schwimmend zu erreichen

aber bisher hat meine kraft noch nie ausgereicht dazu

deshalb entferne ich mich nie soweit weg vom floss
dass ich es nicht mehr sehen 
und schwimmend wieder erreichen könnte
um erschöpft und ausser atem 
mich wieder ein stück weit tragen zu lassen

es ist eine grosse freude zu erkennen 
dass der pfad zur befreiung 
auf dem alle buddhas gewandelt sind
stets da ist stets unverändert ist und stets offen ist 
für diejenigen die gewillt sind ihn zu beschreiten
(gampopa)

es gibt keine verurteilung für das verlassen des flosses
für das suchen und gehen anderer wege

jederzeit nimmt das floss dich wieder auf 
wenn du willig bist dich tragen zu lassen
jederzeit kannst du den weg des dhamma wieder betreten
und auf ihm ein stück weiter wandern

und jederzeit darfst du das floss wieder verlassen
um schwimmend dich zu erfreuen 
an deiner irdischen kraft
und jederzeit darfst du den weg wieder verlassen
um deinen orientierungssinn zu testen
im erforschen unbekannten geländes

du bist frei

6. Juli 2018

die zukunft 
wird zur gegenwart 
und entschwindet in die vergangenheit

so kommen auch wir aus der zukunft
werden zur gegenwart
und entschwinden in die vergangenheit

mein lebensziel liegt in der zukunft
es wird zum lebenssinn in der gegenwart
und erlischt in der vergangenheit

die wahre heimat ist 
das in der zukunft liegende ziel meines lebens
das von mir nie erreicht werden wird

aber von dieser zukunft 
von diesem lebensziel
von der wahren heimat her
lebe ich gegenwärtig
das heisst auftauchend schon versinkend
mein leben
und das ist der sinn

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

und erlösche
lebenssatt

so viel freude so viel leid
so viel lust so viel schmerz
so viel gewinn so viel verlust
so viel liebe so viel hass
so viel licht so viel dunkel
so viel begehren so viel genügsamkeit

so viel von allem was dieses leben zu bieten hat
und ich esse und verdaue und esse und verdaue
immer hungrig und längst schon satt

ich begehre nach dem ziel
das als sinn der gegenwart
in diesem einen leben zu finden ist

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

und erlösche
lebenssatt

wie wird ein herz zur sonne
die alles überstrahlt und erleuchtet
wenn nicht durch tiefe einsicht
in die selbstlosigkeit und bedingtheit des seins

denn
wer selber scheinen will wird nicht erleuchtet
und wird auch für niemand anderes zum licht

mit dem aufgeben des selbstbezogenen wollens 
ist das todlose verwirklicht
lehrte der buddha

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

dieses regnende herz
das sich spiegelt
in tränenfeuchten augen

und erlösche
lebenssatt

aber eines ist es lebenssatt zu sein
ein anderes das leben satt zu haben

mit sechzig jahren bin ich vielleicht alt
aber wenn ich mir vorstelle
achtzig neunzig oder hundert jährig zu werden
dann habe ich noch zwanzig dreissig oder vierzig jahre vor mir
also noch einmal etwa die hälfte meines bisher gelebten lebens

das ist noch eine lange eine sehr sehr lange zeit
für einen menschen wie mich
der sich nach vollständigem erlöschen sehnt
nach erlösung befriedung befreiung vom sein

für einen menschen wie mich
der keine aufgabe mehr sieht für sich
in diesem leben

für einen menschen wie mich
der sich der aufgabe
die er vielleicht doch noch sieht
nicht gewachsen fühlt

für einen menschen wie mich
der sich vorstellt und wünscht
bereits getan zu haben was zu tun war
für diese welt

der aber täglich stündlich bemerkt dass dem nicht so ist
dass er sich mit dieser vorstellung
nur um seine aufgaben drückt
die darauf warten von ihm getan zu werden
und das erst noch freudig und fürsorglich

denn das ist dieses menschen der ich bin selbstanspruch
dass er den mut aufbringe zur freude am leben
und den mut zur fürsorge im leiden

am morgen bei der kurzen yoga übung
fühlen sich diese beiden mantren gut an
mut zur freude
fürsorge im leiden

wie sich so viele geistige einsichten sehr gut anfühlen
aber ebenso schlecht wenn sie im laufe des tages
an den mauern der alltäglichen seins zerschellen

dennoch bleibt die erlösung
das nirvana zu lebzeiten
das einzige ziel
der einzige sinn
für das weiterhin zu leben es sich für mich lohnt
es existiert keine alternative dazu für mich

es mag sein dass dieses ziel zusammenfallen wird
mit dem letzten atemzug den ich tun werde im sein
sollte es so kommen
dann wird mein letztes ein und ausatmen
unvergleichlich sein

die vollkommene versöhnung 
mit dem geborenwerden altern leiden und sterben
die vollkommene befriedigung und befriedung
die vollkommene befreiung

für diesen sinn
für dieses erleben
mache ich mein herz zur sonne

und erlösche
lebenssatt

gesättigt durch freude und leid
mich weder mit diesem noch mit jenem identifizierend
noch dieses oder jenes in besitz nehmend
als meine freude oder mein leid

freude ist da
leiden ist da
soheit ist

für diesen sinn
für dieses leben
mache ich mein herz zur sonne

und in alle ewigkeit gegenwärtig
auftauchend schon versunken
dennoch bleibend

leben
frei von ich frei von selbst
frei von mein und dein
todlos

nur eines stirbt
nur eines erlischt
nur dieser eine wahn
nur diese eine illusion
das selbst

wo ich noch leide
da leide ich unter dieser illusion
und an ihrem anspruch auf den freien willen
den es nicht gibt und nicht geben kann
da sich der wille aus bedingungen entfaltet
also bedingt entsteht
und vergeht

es ist nicht leicht und eine grosse herausforderung
die soheit des seins vollständig zu akzeptieren
aber ein anderer weg
zu innerem frieden und geistiger freiheit
ist mir nicht ersichtlich

für diesen sinn
für dieses erleben
mache ich mein herz zur sonne
und erlösche

lebenssatt

5. Juli 2018

ist der buddha dhamma ist die lehre des buddha
der weg 
der mich dahin gebracht hat wo ich mich jetzt befinde

ist der ort an dem ich mich jetzt befinde ein leidfreier ort 
oder ist es ein erlösungsbedürftiger ort

am ehesten wohl ist es
ein immer wieder vom leiden frei werdender
und auch immer wieder erlösungsbedürftiger ort

und das ich das sich an diesem ort befindet
ist nichts anderes als dieser ort selber
und der ort trägt den namen erleben

es gibt erlöstes leidfreies erleben
und es gibt erlösungsbedürftiges leidvolles erleben

es gibt offensichtliches und extrem leidvolles erleben
und es gibt verborgenes und sehr subtiles leiderleben

und es gibt leiden das sich hinter glück verbirgt
das ist das hinterhältigste leiden
weil es wahrheit schönheit und freiheit verheisst
während dahinter lüge hass und sklaverei lauern

wir nennen dieses glück hinter dem sich leiden verbirgt
leben
und nur das sterben das aber untrennbar zum leben gehört nennen wir 
leiden

und wenn einer heute sagt leben ist leiden es ist ein und dasselbe 
dann wird er mitleidig belächelt
denn das darf nicht sein 
dass das leben als dem leiden unterworfen erkannt wird

alter krankheit und tod gelten unserer zeit und kultur als unwürdig

der mensch des wissenschaftlichen zeitalters schämt sich
dass er alter krankheit und tod noch nicht besiegt hat
aber er wird sie nie besiegen können niemals und das ist gut so
es wird ihn dereinst wieder demütig machen 
und vielleicht sogar wieder weise

der buddhismus nennt alter krankheit und tod die drei götterboten
götterboten die uns unsere grenzen aufzeigen 
und auch die wahre natur unserer existenz

ihre vergänglichkeit
ihre leidhaftigkeit
ihre substanzlosigkeit 

aber die menschliche verblendung sieht
vergängliches als unvergänglich
leidhaftes als leidfrei
substanzloses als substantiell 

und als das substanziellste von allem gilt uns unser selbst unser ich
das wollen wir um jeden preis bewahren verteidigen erhalten
und nicht wenige unter uns 
wollen ihr selbst nicht nur in diesem einen leben behaupten
sondern weit darüber hinaus für viele leben ja in alle ewigkeit

ich zitiere aus dem sutta nipata

als glück erkennen es die weisen
zunichtewerden dieses ichgebildes
der ganzen welt ist freilich dies zuwider
nicht aber denen die verstehen

was glück ist für die anderen
leidig nennts der weise
was leidig gilt den anderen
der weise weiss es als das glück

sie diese lehre die so schwer erkennbar
die einsichtslosen sind hierbei verwirrt

3. Juli 2018

meine eltern 
tauften mich auf den namen
ahd uodal richi
auf den auch schon 
mein vater
von seinen eltern
getauft worden war

der name ist altgermanisch 
und bedeutet
an erbe reich
oder auch
an heimat reich
in heutiger sprache
liest sich dieser name als
ulrich

reich an erbe und heimat zu sein
verschafft zuallererst ein gutes gefühl
verspricht sicherheit und freiheit

aber da ich mich 
weder in diesem dasein heimisch fühle
es also nicht als meine wahre heimat erkenne
noch mir irgendeines materiellen erbes bewusst bin
erlebe ich mich in dieser welt 
in keiner weise 
sicher und frei

in der welt doch nicht von der welt
hat sich einer der grossen der menschheit gesehen
und so sehe ich auch meine existenz

mein erbe und meine heimat
sind nicht von dieser welt
und auch nicht von irgendeiner anderen welt
sie sind nicht weltlich

ich lebe in dieser welt
von meinem erbe
und ich lebe in dieser welt
von meiner wahren heimat her

ich bin erbe einer nichtweltlichen heimat
eine nichtweltliche heimat ist mein erbe

erbe bin ich zu lebzeiten
ebenso reich an heimat
wenn auch im exil

da meine wahre heimat nichtweltlich
mein dasein hier aber ein weltliches ist
wird mein weltliches dasein
niemals in die wahre heimat eingehen
denn es ist nicht möglich
dass vergängliches 
unvergängliches 
erben kann

ich werde dereinst 
sterben 
im exil
reich an erbe
von dem ich gelebt 
und
reich an heimat
von der her ich gelebt 
haben werde

und mein erlöschen wird 
ohne worte
mit zwei der grossen der menschheit
sagen
getan ist was zu tun war
nichts weiteres für diese welt
es ist vollbracht

1. Juli 2018

ja heute beginnt 
ein neuer lebensabschnitt 
in uodals welt
so wie im grunde genommen
täglich stündlich minütlich 
in jedem augenblick
ein neuer lebensabschnitt beginnt
und ein alter endet
nicht nur in uodals
sondern in einer jeden welt