Egoismus - freier Wille - Selbstlosigkeit

Aus einem Briefwechsel zum Thema:


9. November 2018
Lieber B. 

Wir haben ja momentan einen Schnellpost-Briefwechsel! Danke für Deinen Brief von gestern, der mich animiert, auch gleich wieder darauf zu antworten. Wir Pensionierten finden offensichtlich wieder Zeit und auch Lust dazu, ansonsten ist das Briefeschreiben meines Erachtens eher etwas Seltenes geworden.

Ich möchte auf die folgende Aussage von Dir eingehen: „Ich betrachte den Egoismus in all seinen Formen als zentrales Hindernis für unser aller Wohlergehen.“ Damit wir uns da nicht missverstehen, muss ich mein Verständnis des Begriffs Egoismus darlegen:

Ich gehe von der Annahme aus (und bin darin mit der Buddhistischen Auffassung einig), dass der Mensch (und jedes Lebewesen) nach Wohl strebt und Weh vermeiden will. Dieser doppelte Wille, Wohl erleben und Weh nicht erleben zu wollen, ist das jedem Tun und Lassen zugrunde liegende Motiv. Was auch immer ein Mensch tut oder zu tun unterlässt, das tut oder unterlässt er, weil er sich dadurch ein Mehr an Wohl und ein Weniger an Weh erhofft. In diesem Sinn ist jeder Wille und jedes Handeln und Nicht-Handeln egoistisch.

Wohl und Weh beziehen sich auf das Gefühlserleben. Auf dieser Ebene, dem Gefühl, entstehen der Wille und die Entscheidung (was die Neuro-Biologie inzwischen bestätigt). Es ist also daran kein (vom Gefühl unabhängiges) Ich beteiligt. Deshalb wäre es falsch, diese Form von Egoismus zu beanstanden. Es ist im Gegenteil ein vollkommen natürliches und richtiges Geschehen.

So schrieb Arthur Schopenhauer: "Die Haupt- und Grundtriebfeder im Menschen, wie im Tiere, ist der Egoismus, d.h. der Drang zum Dasein und Wohlsein." Dieser Drang hat seinen Ursprung im Gefühlsleben. Das gilt ebenso für altruistisches Verhalten: Mein eigenes Mich-Gutfühlen dabei, liegt der Entscheidung dazu zugrunde. Auch altruistisches Verhalten ist in diesem Sinne also egoistisch. Würde ich mich beim Grossherzigsein (oder der Anerkennung, die ich dafür erhalte) nicht gut fühlen, mich nicht als guter Mensch wahrnehmen, wäre es mit meiner Grossherzigkeit bald vorbei.

Gut. Ich betrachte also den Egoismus nicht, wie Du sagst, in all seinen Formen als Hindernis für unser aller Wohlergehen. Jedenfalls nicht die hier skizzierte Form. Ich erkenne aber, wiederum in Übereinstimmung mit der Buddhistischen Lehre (und übrigens auch mit Jesus: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst…“) eine Form des Egoismus als absolut schädlich, ich nenne sie Selbstsucht und meine damit die Sucht danach, ein autonomes, unbedingtes Selbst sein zu wollen und alles Wirken somit von einem unbedingten freien Willen ausgehend und alles Erleben ein unbedingtes Selbst treffend zu erfahren.

Unser Wille und unser Wirken sind aber nur bedingt frei, nämlich bedingt durch das Gefühl, das uns nach Wohl streben und Weh vermeiden heisst. Und wir selber sind und haben auch kein unbedingtes Selbst sondern bestehen gerade durch und als die Bedingungen, die uns in der Existenz halten (in Peter Bieris „Das Handwerk der Freiheit – Über die Entdeckung des eigenen Willens“, das ich inzwischen mit grossem Interesse gelesen habe, ist dies das reine Subjekt, dessen tatsächliche Existenz er ebenso zurückweist wie auch den unbedingten freien Willen).

Dein Gedanke „Ich bin abhängig“ entspricht also durchaus der Buddhistischen Anschauung. Im Zusammenhang, den ich hier aufzuzeigen versuche, heisst das: „Ich, das heisst, mein Wollen und Wirken, bin abhängig von meinem Gefühl.“ Und, so würde ich jetzt feststellen, Deine Dankbarkeit, Dein Engagement, Dein Dasein als Teamplayer, die Tatsache, dass Du nicht flüchten willst und dass Du versuchst, innerhalb Deiner Grenzen und Bedingungen Deine Aufgabe zu finden und ihr zu entsprechen, all das wurzelt im natürlichen und gesunden Egoismus Deines Wunsches Wohl zu erleben und Weh zu vermeiden. Du, genauso wie ich und wie jedes Lebewesen, willst Dich gut fühlen, mit anderen Worten, nicht Leiden. Und damit sind wir beim Kern des Buddhismus angelangt. Der Buddha sagte: „Eines nur lehre ich: das Leiden und seine Überwindung.“ Das hat auch Friedrich Nietzsche erkannt, als er sich zum Buddhismus äusserte:

„Der Buddhismus ist die einzige eigentliche positivistische Religion, die uns die Geschichte zeigt, auch noch in seiner Erkenntnistheorie (einem strengen Phänomenalismus – ); er sagt nicht mehr „Kampf gegen die Sünde“, sondern, ganz der Wirklichkeit das Recht gebend, „Kampf gegen das Leiden“. In der Lehre Buddhas wird der Egoismus Pflicht: das „Eins ist not“, das „Wie kommst du vom Leiden los?“ reguliert und begrenzt die ganze geistige Diät.“

Und das ist okay so. Mein erster buddhistischer Lehrer sagte: „Nur wer leidet, will andere leiden machen.“  Somit ist der vermeintliche Egoismus, der dem Buddhismus gelegentlich angelastet wird, eben keiner, denn die Arbeit an der eigenen Leidbefreiung kommt allen zugute.

Nun aber, und da sehe ich den eigentlichen Unterschied zwischen einer selbstsüchtigen und einer selbstlosen Existenz, kommen wir zur Beantwortung der Frage: Woher kommt der Wille zu dieser Arbeit an der Leidbefreiung? Kann ein Mensch diesen Willen, überhaupt irgendeinen Willen, aus sich selber schöpfen, also unabhängig vom Kontext, unabhängig von seinen (inneren und äusseren) Lebensumständen?

Der Selbstsüchtige beantwortet diese Frage mit Ja. Und fordert folgerichtig sowohl von sich selber als auch von seinen Mitmenschen sehr häufig Unmögliches. Aber in keinem Menschen sitzt irgendwo ein unbedingtes (unabhängiges) Selbst, das bedingungslose Macht über seinen Willen hätte (also über einen unbedingten freien Willen verfügen könnte).

Der Selbstlose dagegen anerkennt die durchgängige Bedingtheit seiner Existenz (wie Du geschrieben hast: „Ich bin mir der Grenzen und Bedingungen bewusst, die meine Existenz definieren.“) und anerkennt damit auch die Bedingtheit seines Willens und damit seines Tuns und Lassens. Also fordert er weder von sich selber noch von anderen die unbedingte Herrschaft über sein und ihr Wollen und Nichtwollen, über sein und ihr Tun und Nicht-Tun. Das macht ihn grossherzig, nicht irgendeine Forderung (ein „Du sollst“) an sich selber und an andere.

Und deshalb ist die Nicht-Ich-Einsicht im Buddhismus der Schlüssel zur gesamten Arbeit der Leidbefreiung. Und das Spielfeld dieser Arbeit, ja, das ist, wie Du schreibst, hier und jetzt. Für mich hier bei mir, für Dich hier bei Dir. Für uns beide jetzt.

Es ist schön, es fühlt sich gut an, mit Dir diesen Austausch zu führen, und weil es sich gut anfühlt, deshalb schreibe ich Dir.

Mit ganz herzlichem Gruss,
Ueli


13. November 2018
Lieber B.

Ein paar Gedanken zu Deinem letzten Brief vom 9. Nov. (der sich offensichtlich mit meinem letzten Schreiben an Dich gekreuzt hat). Wir nähern uns langsam ganz zentralen Fragen an.

Die Dinge – alle Dinge, materielle und immaterielle – entstehen aus Bedingungen. Aus Nichts geschieht nichts. Alles hat Ursachen, und zwar nicht nur eine einzige, sondern eine unendliche und anfangslose Vielzahl.

Du stellst die Frage, wer denn der Chef der Umstände (also der Bedingungen) sei und sagst, diese Frage werde mit dem Hinweis auf die Natur beantwortet. In meinem Verständnis bezeichnet der Begriff „Natur“ ein Doppeltes, und zwar sowohl das Gesetz des bedingten Entstehens wie auch die gemäss diesem Gesetz hervorgegangenen bedingten Dinge, also alles überhaupt existierende Materielle (auf den Menschen bezogen: die Körperlichkeit) und Immaterielle (alles Geistige des Menschen: Gefühl, Emotionen, Gedanken, Visionen, usw.; alles nicht mit den fünf Körpersinnen wahrnehmbare). 

Und es ist wahr, die so verstandene Natur ist sich selber Chef: Aus den Bedingungen entsteht Bedingtes, welches wiederum zur Bedingung für neues Bedingtes wird. Das ist der anfangslose Kreislauf des Lebens, welches der Buddhismus Samsara nennt. Hierzu ein kurzes Zitat aus dem Buch ‚Das Herz aller Religionen ist eins – Die Lehre Jesu aus buddhistischer Sicht’ des Dalai Lama:

„Die gesamte buddhistische Weltsicht basiert auf einem philosophischen Standpunkt, dessen zentraler Gedanke das Prinzip der wechselseitigen Bedingtheit ist: Ihm zufolge treten alle Dinge und Geschehnisse allein infolge von Wechselwirkungen zwischen Ursachen und Bedingungen ins Dasein. Innerhalb dieser Philosophie ist es nahezu unmöglich, Raum zu schaffen für eine ausserzeitliche, ewige, absolute Wahrheit. Ebensowenig ist es möglich, die Vorstellung einer göttlichen Schöpfung unterzubringen. Entsprechend hat für einen Christen, dessen gesamte metaphysische Weltsicht auf dem Glauben an die Schöpfung und einen göttlichen Schöpfer beruht, die Vorstellung, dass alle Dinge und Geschehnisse aus der blossen Interaktion zwischen Ursachen und Bedingungen entstehen, keinen Platz. Im Bereich der Metaphysik wird es also an einem bestimmten Punkt problematisch, und die Auffassungen der beiden Überlieferungen müssen hier voneinander abweichen.“

Du schreibst dann, dass die Natur ein Produkt der Evolution sei und dass wir damit bei einer Erstursache landen würden. Dann fragst Du, welchen Sinn das Ganze habe.

Wenn ich den Begriff der Evolution hinzunehme, dann stelle ich fest, dass die Natur nicht ein Produkt der Evolution ist, sondern dass die Begriffe „Evolution“ und „Natur“ Synonyme sind: Die Natur ist evolutionär, die Evolution ist natürlich. Natur und Evolution meinen ein und dasselbe, sie sind austauschbare Begriffe und bezeichnen beide genau dies: das bedingte und bedingende Werden.

Deshalb landen wir bei dieser Fragestellung gerade nicht bei einer Erstursache, eine solche kann es nicht geben, weil aus Nichts nicht etwas entstehen kann. Weder Gott noch Urknall sind eine Antwort, es sei denn, wir verstünden im ewigen Schöpfergott schlicht eine menschliche Personifikation der Tatsache der Anfangslosigkeit des bedingten Werdens. Gott also ein Synonym für Anfangslosigkeit (und Endlosigkeit). Desgleichen beim Urknall, der niemals ein Uranfang sein, jedoch durchaus den Moment benennen kann, an welchem sich das Einatmen des Universums, also sein Zusammenziehen, wieder in sein Ausatmen, in die Ausdehnung wandelt. Dieses Modell des anfangs- und endlos sich zusammenziehenden und wieder ausdehnenden Universums ist auch als wissenschaftliche Theorie bekannt.

Kein Erstanfang also und wohl auch kein definitives Ende, so sehr diese Vorstellung unserem linearen Denken widerspricht. Das Leben ist ein Kreis, keine Strecke von A nach B.

Auch hier stellt sich jetzt natürlich die Frage, was soll das Ganze?

Ich stelle fest, dass das Leben sich selber bedingt und nicht durch irgend eine wie auch immer vorgestellte unbedingte Kraft oder Macht ausserhalb seiner selbst hervorgebracht und gelenkt wird. Dieses bedingte Werden ist in keiner Weise vorherbestimmt: In jedem Augenblick ist seine Entwicklung vollständig offen. Der Weg, den das Werden nimmt, wird in jedem Moment – mit jedem Geschehen – neu bestimmt.

Ich stelle fest, dass all unser Tun und Lassen (unser Wille und unsere Entscheidungen) aus Bedingungen entsteht und – wie die Natur, die Evolution, das Leben selber – nicht durch irgend ein wie auch immer vorgestelltes unbedingtes Ich oder Selbst innerhalb oder ausserhalb seiner selbst hervorgebracht und gelenkt wird.

Unser konkretes Handeln hier und jetzt entsteht also – wie alles Geschehen in der Natur – aus Bedingungen. Es geschieht nicht aus einem freien (von den Bedingungen, dem Kontext, den Lebensumständen unabhängigen) Willen.

Verliere ich nun deshalb meine Identität? Keineswegs! Die absolute Einmaligkeit des bedingten Werdens, das sich in meiner Person verwirklicht und durch mich in die menschliche, irdische, universelle Gemeinschaft hineinwirkt ist meine persönliche Identität. Durch diese Identität wirkt ein, durch die Bedingungen die diese Identität prägen, geformter Wille.

Die Freiheit meines Seins besteht in der vollständigen Offenheit der möglichen Wege, die mein Werden und Wirken einschlagen kann – analog der vollständigen Offenheit, die der Evolution insgesamt innewohnt. Es ist aber kein Ich (Ego), das diese Freiheit besitzt. Und hier begegnet mir, wie Du schreibst, „der Egoismus als stetige Prüfung für mein Verhalten.“ Ein treffliches Bild hierzu gibt Jesus in Gethsemane, wo er den Vater bittet, den Kelch an sich vorbeigehen zu lassen (der selbstbezogene Wille, der sich dem bedingten selbstlosen Willen widersetzen möchte), dann aber die Wahrheit erkennt und den Ego-Willen dem durch das Ganze bedingten Willen unterwirft ("…aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“). Jonas und der Wal sind ein weiteres schönes biblisches Beispiel für diesen Prozess der Befreiung des Willens von der Selbstbezogenheit. Ist der Wille von der Selbstbezogenheit frei, dann kann er als bedingter (durch die Umstände gewordener) freier Wille bezeichnet werden. Das aus solchem bedingt freien Willen entstandene Tun und Lassen definiert mich als freies Individuum. Dieses freie Individuum ist meine Identität.

In dieser Identität begegne ich meinen Mitmenschen, den Tieren, allem Leben in deren Identität und bin, wie sie auch, gleichzeitig Teil des grossen Ganzen und durch das Ganze und all seine Teile in meiner Identität bedingt.

In „Ich und Du“ beschreibt Martin Buber seine Sicht des freien Menschen. Mit diesem Zitat, das, so empfinde ich, unsere Positionen in nächste Nähe zueinander rückt, beende ich diesen Brief:

„Der freie Mensch ist der ohne Willkür wollende. Er glaubt an die Wirklichkeit; das heisst: er glaubt an die reale Verbundenheit der realen Zweiheit Ich und Du. Er glaubt an die Bestimmung und daran, dass sie seiner bedarf: sie gängelt ihn nicht, sie erwartet ihn, er muss auf sie zugehen, und weiss doch nicht, wo sie steht; er muss mit dem ganzen Wesen ausgehen, das weiss er. Es wird nicht so kommen, wie sein Entschluss es meint; aber was kommen will, wird nur kommen, wenn er sich zu dem entschliesst, was er wollen kann. Er muss seinen kleinen Willen, den unfreien, von Dingen und Trieben regierten, seinem grossen opfern, der vom Bestimmtsein weg und auf die Bestimmung zu geht. Da greift er nicht mehr ein, und er lässt doch auch nicht bloss geschehen. Er lauscht dem aus sich Werdenden, dem Weg des Wesens in der Welt; nicht um von ihm getragen zu werden: um es selber so zu verwirklichen, wie es von ihm, dessen es bedarf, verwirklicht werden will, mit Menschengeist und Menschentat, mit Menschenleben und Menschentod. Er glaubt, sagte ich; damit ist aber gesagt: er begegnet.“

Und hierzu noch als ein allerletztes Zitat Deine eigenen Worte, gegen Ende Deines Briefes:

„Hier und jetzt versuche ich im Rahmen meiner Möglichkeiten, Pflichten wahrzunehmen und zu erfüllen, aus Freude und Dankbarkeit. Dazu muss ich mich nicht verlieren sondern engagieren.“

Möge uns der Wille zu solchem Engagement immer wieder neu werden!

Herzlich,
Ueli

lebenszeit

prolog

der name meines gottes ist die selbstlose bedingtheit des seins womit mein gott sich schon durch seinen namen als nichtgott offenbart

denn die selbstlose bedingtheit des seins wirkt diese welt ohne den willen eines ich

sie wirkt ebenfalls mich und durch mich ohne den willen eines ich

und nur deshalb habe ich die selbstlose bedingtheit des seins zu meinem gotte auserkoren eben weil sie selbstlos ist ohne ein ich

denn einem ich könnte ich niemals trauen weil ein solches stets egoistische ansprüche hat und weil egoistische ansprüche ein offenes tor für alle arten willkürlicher willensäusserungen und deren tatkräftigen vollstreckung sind

selbstlosigkeit und bedingtheit sind die attribute des seins und alles seienden deshalb kann weder das sein als solches noch ein einzelnes seiendes mein gott sein

denn wozu sollte ich als ein selbstloses und bedingtes seiendes ein anderes selbstloses und bedingtes seiendes vergöttlichen es sei denn ich wollte mit ihm auch mich selber zum gott erheben

wenn ich schon unbedingt etwas als meinen gott benennen will dann kann das deshalb nur das zweifache attribut alles seienden sein als was ich eben die selbstlose bedingtheit erkenne

aber eigentlich ist es völliger unsinn die selbstlose bedingtheit des seins als gott zu bezeichnen

wenn ich das tue dann nur um dadurch auszudrücken dass die selbstlose bedingtheit die höchste wahrheit darstellt die sich im sein feststellen lässt

und im landläufigen verständnis wird die höchste wahrheit eben mit dem gottesbegriff gekennzeichnet

an einen gott als unbedingte absolute person glauben heute viele menschen nicht mehr und sie tun gut daran denn es ist nicht hilfreich für den menschen sein wohl und weh abhängig zu machen vom willen eines absoluten ich 

was aber ist der unterschied dazu wenn ich was ich erlebe und was ich tue als bedingt entstanden und nicht vom willen eines ich ausgehend und auch kein ich treffend erkenne

der unterschied ist dass ich kein gegenüber habe kein ich bei dem ich mich als meinem du beklagen oder bedanken könnte

ich bin allein und das soll ein vorteil sein fragst du mich vielleicht

und da bist du ja schon mein du dir kann ich antworten mit dir kann ich im gespräch sein mit dem lebewesen das du bist mit dem menschen der du bist

auch wenn du ohne ein innewohnendes absolutes selbst existierst bist du wirklich und wirklich da

mit dir kann ich sprechen nicht mit etwas in dir oder ausser dir oder über dir sondern mit dir

dich kann ich sehen hören riechen schmecken tasten kein gott kann mir das bieten was du mir bieten kannst und keinem gott kann ich schenken was ich dir schenken kann

wir sind und haben kein beharrendes ich und selbst keine ewige seele keinen bleibenden kern

nur vergänglichkeit kennzeichnet uns und unzulänglichkeit aufgrund der vergänglichkeit dem alter der krankheit dem tod unterworfen

und das ist es was wir einander schenken was wir miteinander teilen können unsere unzulänglichkeit unsere unvollkommenheit unsere schwäche unser alt werden unser krank werden unser lebenslängliches sterben

wenn wir das miteinander teilen können dann können wir uns glücklich nennen

aber leider ist dies alles hier und heute verpönt nicht das alt werden nicht das krank werden nicht das sterben wollen wir miteinander teilen

sondern ewige jugend und ewige gesundheit die es nicht gibt und niemals geben wird allen prognosen und versprechungen der medizin und der übrigen wissenschaften zum trotz

wenn wir aber das alter die krankheit den tod nicht miteinander teilen wollen dann wollen wir das leben nicht miteinander teilen weil wir angst haben vor der vergänglichen und leidunterworfenen natur des seins

die uns eben nicht nur freude und lust verspricht sondern ganz zentral auch schmerz und leiden

aber das sein ist nicht nur den bedingungen des vergehens und leidens unterworfen sondern es ist auch selbstlos es ist leer an einem ich oder selbst

die tatsache dass unser gesamtes werden von bedingungen abhängt und durch bedingungen geformt wird macht einen freien willen unmöglich

wir können über unser leben nicht frei entscheiden auch wenn wir das gerne möchten und wir uns gerne einreden wir könnten es nein wir können es nicht es ist unmöglich

es sind immer vielfältige bedingungen die zu einer willensregung und dann zu einer willensäusserung und schliesslich zur tat führen

kein ich kein selbst macht den willen unabhängig von bedingungen

dass es keinen solchen absoluten freien willen gibt zeigt uns die wahrheit der selbstlosigkeit wenn ein freier wille wäre dann wäre da auch ein ich das über ihn frei verfügen könnte aber so funktioniert das leben nicht

bedingtheit ist der schöpfer des seins nichts existiert aus dem willen eines ich alles ist bedingt entstanden und ist leer an einem ich und einem selbst

der buddhistische mönchsgelehrte und meditationsmeister buddhadasa bhikkhu sagte in diesem sinn der mensch ist eine marionette der natur die wahrnimmt und denkt und sich törichter Weise einbildet jemand zu sein

was bedingt entstanden ist und bedingt besteht verändert sich und vergeht mit der veränderung mit dem vergehen der bedingungen ist also vergänglich

was vergänglich ist kann keinen halt keine echte orientierung bieten ist also unzulänglich und daher unbefriedigend die vergänglichkeit des vergänglichen die leidunterworfenheit des leidunterworfenen die selbstlosigkeit des selbstlosen nicht akzeptieren zu können führt direkt in die depression

intermezzo

meine lebenszeit und somit auch meine zeit des sterbens hat mit meiner zeugung ihren anfang genommen und wird mit meinem tod enden

ich sehe keinen grund weshalb es mir anders ergehen sollte als einer blume oder einem baum oder sollte ich denken dieselbe blume oder derselbe baum wird abgesehen von den neuen blumen und bäumen die aus den samen der alten erwachsen wiedergeboren werden


die kraft die sich in mir manifestiert und die durch mich in diese welt hineingewirkt hat aber wird niemals zu einem ende kommen sie pflanzt sich fort in alle ewigkeit

was auch immer durch mich getan worden ist in dieser welt hat spuren hinterlassen hat auswirkungen gehabt die wiederum zu bedingungen für anderes werden geworden sind

ich besitze keine ewige seele keinen wie auch immer gearteten unzerstörbaren kern nein ich bin durch und durch vergänglich all mein körperliches all mein geistiges ist dem alter der krankheit und dem tod unterworfen da ist nichts substanzielles das von mir übrigbleiben wird

aber die kraftwirkungen wirken weiter was und in welchem noch so kleinen und noch so grossen umfang durch mich geworden ist in dieser welt es pflanzt sich fort und fort und fort

während all mein körperliches und geistiges dem erlöschen und vergessen anheimfällt bahnt sich die kraft die durch mein leben wirksam geworden ist ihren weg in die zukunft

solange es noch irgendeine art von existenz in der zukunft geben wird solange wird die kraft die sich durch mich in dieses sein ergossen hat auch in jeder künftigen welt mit enthalten sein

kraft ist energie und energie ist unzerstörbar sie ist unzerstörbar aber sie ist durch und durch wandelbar sie nimmt immer neue formen an und manifestiert sich in immer neuer art und weise sie ist die kraft des werdens

was ich als mein geistiges und als mein körperliches benannt habe war niemals mein es hat nie einen besitzer gehabt es ist nicht aus dem willen eines ich entstanden sondern aufgrund von vielfältigen bedingungen

der mensch der ich war und noch bin ist reine kraft reine energie die sich gesetzmässig gemäss den bedingungen die sie antrifft ausgestaltet und fortbewegt

der mensch der ich war und noch bin ist kein ich kein selbst und es findet sich auch weder in diesem menschen noch irgendwo ausserhalb dieses menschen ein solches ich oder selbst

auch endet dieser mensch der ich war und immer noch bin nicht an den grenzen seiner haut denn die luft die er einatmet und ausatmet gehört ebenso zu ihm und desgleichen die nahrung die er sich einverleibt und was er davon wieder ausscheidet

dieser mensch müsste daher sagen er sei nicht nur dieser geist und dieser körper die er gewohnheitsmässig als ich oder selbst oder als mein geist und mein körper bezeichnet sondern er sei beispielsweise ebenso die milch die er trinkt und somit auch die kuh die die milch gegeben hat

und das gras das die kuh gefressen hat und die erde und die sonne und der regen die das gras zum wachsen gebracht haben

er müsste daher richtigerweise sagen er sei alles er sei das ganze grenzenlose kosmische geschehen da er ja nicht von all dem getrennt existiert sondern überhaupt nur in abhängigkeit von allem seienden leben kann

aber selbst das unvorstellbare weil anfangslose und endlose ganze des seins ist kein ich kein selbst in irgendeiner weise und kennt keinen besitzer der autonom also unabhängig von allem übrigen seienden existieren könnte

das sein ist reine in abhängigkeit von bedingungen sich manifestierende kraft und die richtung sowie die form der kraftwirkung unterliegt in keiner weise einem vom ganzen bedingungszusammenhang unabhängigen ich sondern entwickelt sich eben genau entsprechend den bedingungen also gesetzmässig

was auch immer existiert sei es ein lebewesen oder sogenannte tote materie alles existiert nur aufgrund von ursachen und bedingungen und ohne ursachen und bedingungen gibt es nichts

ein unbedingtes sein wie auch immer vorgestellt und gedacht ist und bleibt etwas abstraktes etwas unwirkliches das nicht erlebt werden kann

genug meiner lebenszeit habe ich mit gedanken über unwirkliches zugebracht mit spekulationen über ein unbedingtes ein ewiges oder über einen unbedingten und ewigen was auf dasselbe herauskommt

ich bin froh habe ich dabei dennoch das wirkliche und damit das erlebbare nie gänzlich aus den augen und aus dem erleben verloren

die verankerung der wahrnehmung und des bewusstseins in der körperlichen wirklichkeit ist über all die jahrzehnte meines lebens und meines suchens nach dem lebenssinn mein sicherer hafen geblieben wo ich mit meinem lebensschiff auch aus stürmischer see immer wieder vor anker gehen und mich erden und erholen konnte

natürlich gehört zur körperlichen wirklichkeit des menschen auch die geistige wirklichkeit das heisst die erlebten gefühle und willensregungen sowie alle die vielfältigen gedanken die im geist aufsteigen

aber etliche der gedanken die da aufsteigen beziehen sich auf unwirkliches auf vom menschen nicht erkennbares nur vorgestelltes ausgedachtes erfundenes das keine verankerung hat in der körperlichen wirklichkeit

und desgleichen haben viele gefühle und willensregungen ihren ursprung in solchen abstrakten vorstellungen fantasien und illusionen ohne bezug zur konkret erlebten wirklichkeit

dafür ist mir die mir noch verbleibende lebenszeit dieses einzigen und letzten lebens definitiv zu schade

hier könnte vielleicht die frage aufgeworfen werden weshalb ich als lebenslänglich die buddhistische lehre studierender und praktizierender mensch nicht an die wiedergeburt glaube wo doch der buddhismus klar die wiedergeburt lehre

worauf ich antworte dass der buddha keineswegs den glauben an die wiedergeburt gelehrt hat sondern im gegenteil die klare erkenntnis des vollständigen erlöschens von geist und körper und damit eben die nichtwiedergeburt

überhaupt ist der glaube im sinne eines fürwahrhaltens von irgendetwas unbeweisbarem kein aspekt des buddhistischen weges

das bezeugt auch der 1993 verstorbene weltweit geschätzte thailändische mönchsgelehrte und meditationsmeister buddhadasa bhikkhu wenn er die überwindung des leidens durch überwindung der selbstsucht als die eigentliche buddhistische lehre aufzeigt wie nachfolgend zitiert

etwas ein grundlegendes prinzip des buddhismus zu nennen ist nur dann richtig wenn es sich hierbei zum einen um ein prinzip handelt das auf das erlöschen von dukkha (schmerz verzweiflung leid) abzielt und zum anderen wenn es eine logik besitzt die man selbst erkennen kann ohne anderen glauben zu müssen dies sind die wichtigen merkmale einer solchen aussage

der buddha lehnte es ab sich mit dingen zu beschäftigen die nicht zum erlöschen von leiden führen er sprach nicht über sie

nehmt zum beispiel die frage ob es eine wiedergeburt nach dem tod gibt oder nicht was wird denn wiedergeboren wie wird es wiedergeboren worin besteht seine karmische erbschaft

diese fragen zielen nicht auf das erlöschen von leiden ab da dem so ist sind sie nicht die lehre des buddha noch stehen sie damit in zusammenhang sie liegen einfach nicht im bereich des buddhismus

es hat ja auch derjenige der nach diesen dingen fragt keine andere wahl als blind jeder antwort zu glauben die er bekommt denn der antwortende wird nicht in der lage sein beweise vorzulegen sondern er wird einfach nur aufgrund seiner erinnerung und seines gefühls sprechen

der zuhörer kann es nicht selbst erkennen und muss folglich wahllos den worten des anderen glauben schenken nach und nach entfernt sich das thema vom dhamma bis es etwas völlig anderes wird das mit dem erlöschen von leiden nichts mehr zu tun hat

wenn wir nun streitfragen dieser art nicht aufwerfen können wir statt dessen fragen ist leiden vorhanden und wie können wir es löschen

der buddha hatte nichts dagegen diese fragen zu beantworten der zuhörer kann die wahrheit eines jeden wortes der antwort erkennen ohne blind an sie glauben zu müssen und er kann diese wahrheit immer klarer sehen bis er sie selbst verstanden hat

wenn man in dem masse versteht dass man fähig ist leiden zum erlöschen zu bringen ist das das höchste verständnis

da dem so ist folgt daraus dass es im bereich des buddhismus keine frage der reinkarnation oder der wiedergeburt gibt

vielmehr gibt es die fragen ist leiden vorhanden und wie kann es gelöscht werden

kennt man die leiden zugrundeliegende ursache wird man in der lage sein es zu löschen

die wurzel von leiden ist die illusion das falsche verständnis dass es ich und mein gibt die sache mit dem ich und dem mein mit dem ego und der selbstsucht ist das eine vorrangige thema im buddhismus

die empfindung eines ichs und eines meins ist das was vollständig ausgetrieben werden muss und folglich liegt in diesem prinzip das wissen das verständnis und das praktizieren aller lehren des buddha ohne ausnahme

soweit das zitat von buddhadasa bhikkhu aus dem buch kernholz des bodhibaums mehr dazu auch im buch lebenszeit im kapitel das buch der heilung

es geht also um dieses eine leben um diese eine lebenszeit und darum in diesem einen leben einen weg zu finden der uns befähigt jedes konkrete leiden das in diesem einen dem leiden unterworfenen leben erlebt wird zu überwinden

jede identifikation mit direkt leidhaftem oder mit dem leiden unterworfenem als das bin ich und jede inbesitznahme von leidhaftem oder mit dem leiden unterworfenem als das ist mein hält das leiden fest und lässt es anwachsen wohingegen jedes loslassen des ich und mein anspruchs zur überwindung und zum erlöschen des leidens führt

das gilt ebenso für alles passive erleben wie auch für alles aktive tun womit wir auch das thema karma berühren

karma ist nicht das schicksal des menschen das ihm von aussen aufgezwungen wird karma ist nichts anderes als wirken und dieses wirken ist selbstlos

es existiert kein autonomes mit einem freien willen begabtes ich oder selbst das nach seinem gutdünken wirken könnte und ebenso existiert kein ich oder selbst das die folgen des wirkens zu spüren bekommen könnte und zu tragen hätte

jede absicht jede willensregung des menschen entsteht aus ursachen und bedingungen die den menschen zu diesem willen und zur willensäusserung in wort und tat hinführen

aber nirgendwo ist ein besitzer dieses willens der für die willensentstehung verantwortlich gemacht werden könnte

natürlich gilt der mensch als soziales wesen im gesellschaftlichen sinn als verantwortlich für all das was durch ihn getan und nicht getan wird und dieser verantwortlichkeit kann auch niemand entrinnen

aber im höchsten verständnis gibt es nirgendwo ein ich oder selbst oder eine person die für irgendetwas verantwortlich gemacht werden könnte

denn was auch immer durch einen menschen in diese welt hineinkommt geschieht aufgrund einer anfangslosen vielzahl von bedingungen die wir niemals alle zu ergründen vermögen

deshalb gibt es wohl den schuldspruch des weltlichen gerichts welcher dem schutz der gemeinschaft dient oder diesem schutz immerhin zu dienen vermeint

aber in der natürlichen wirklichkeit wie sie ist gibt es keine schuld und keinen schuldigen sondern nur bedingungen die die kraft zu wirkungen führen nicht anders als wie das wasser sich seinen weg bahnt aufgrund der bedingungen die es antrifft

kein mensch hat sein leben und die konkreten lebensbedingungen in denen sich sein leben abspielt selber gewählt und er hat auch diesbezüglich im verlauf des ganzen lebens nie einen freien willen der sich einfach über die bedingungen seiner existenz erheben könnte

die bibel beispielsweise spricht von einem absoluten ich oder selbst von einer absoluten person die sie gott nennt und die alleine mit einem freien willen begabt sei und nach ihrem gutdünken über den menschen verfügen könne wie zum beispiel hier im römerbrief

so erbarmt er sich nun wessen er will und verstockt wen er will nun wirst du mich fragen warum tadelt er dann noch wer kann seinem willen widerstehen nun ja lieber mensch wer bist denn du dass du mit gott rechten willst spricht auch das gebilde zu seinem bildner warum hast du mich so gemacht hat nicht der töpfer macht über den ton aus derselben masse das eine gefäss zur ehre das andere zur unehre zu machen

in diesem theistischen verständnis wird an einen unabhängigen unbedingten gott geglaubt der den menschen zu dem macht was er ist der mensch selber aber kann nur annehmen was ihm von gott oder im buddhistischen verständnis eben durch die bedingungen gegeben und möglich ist

wir sind wohl aufgefordert soweit wir es zu erkennen vermögen das heilsame zu tun und das unheilsame zu lassen und zwar sowohl in der buddhistischen als auch in der christlichen lehre aber ob wir es überhaupt schon nur zu wollen geschweige denn zu vollbringen vermögen liegt nicht in unserer hand ich zitiere noch einmal aus der bibel aus dem philipperbrief

gott ist es der in euch sowohl das wollen als auch das vollbringen wirkt nach seinem wohlgefallen

im buddhistischen verständnis existiert dieser gott nicht im buddhistischen verständnis existiert überhaupt kein absolutes unbedingtes vom übrigen seinenden unabhängiges

im buddhistischen verständnis gibt es nur ursachen und bedingungen aus denen wirkungen hervorgehen und wirkungen die selbser wieder zu ursachen und bedingungen für neue wirkungen werden

aber ob wir nun die vorstellung eines gottes haben der unser wollen und tun wirkt oder die vorstellung von bedingungen aus denen sich unser wollen und handeln entwickelt spielt im zusammenhang hier keine rolle

fakt bleibt dass in uns kein autonomes ich ist kein unabhängiges selbst das über einen freien willen verfügt und das über unser wollen und vollbringen selbstherrlich entscheiden könnte

wir können an die stelle der begriffe gott und bedingungen auch den begriff natur stellen und erkennen dass die natur durch uns wirkt und eben genauso wie sie es konkret tut

es ist nicht leicht die tiefe der bedeutung von selbstlosigkeit und bedingtheit in ihrem vollen ausmass zu erfassen wenn sie aber vollumfänglich erfasst ist offenbart die selbstlose und bedingte natur der existenz einen tiefen frieden und eine grenzenlose freiheit

unbefriedigung und unfreiheit wachsen in dem masse als ein ich sich anmasst schöpfer und herrscher zu sein und vermeint das leben und das lebendige sich und seinen wünschen untertan machen zu können

hierbei besteht kein unterschied zwischen der sogenannt eigenen oder inneren natur also dem sein das als das eigene als ich und selbst  gesehen wird und der sogenannt fremden oder äusseren natur also dem sein das als das andere ich und selbst gesehen wird

beides ist in wirklichkeit nicht existent beides ist reine illusion und nur die ignoranz gegenüber der wahren bedingten und selbstlosen natur des seins verschafft diesem vermeintlichen ich und diesem vermeintlichen du den anschein von existenz den anschein einer existenz allerdings die sich in nichts von der existenz einer fata morgana unterscheidet

die wirklichkeit ist anders sie ist so wie die bibel von gott sagt dass er kein ansehen der person kenne

die natur erzeugt keine personen keine ichs und dus und sie nimmt deshalb auch keine rücksicht auf ichs und dus

die natur ist reine nicht moralische kraft die sich im rahmen ihrer eigenen bedingungen gesetzmässig entfaltet und ausbreitet 

ich bin diese natur so wie auch du diese natur bist ich bin wie jesus christus von sich sagte der weg die wahrheit und das leben und du bist das auch

wenn theisten von gott reden und den gott unabhängig vom übrigen sein aufzeigen wollen so wusste und zeigte schon jesus dem philippus dass solches nicht möglich ist

philippus nämlich sagte zu jesus zeige uns den vater so genügt es uns und jesus antwortete ihm so lange zeit bin ich bei euch und du kennst mich noch nicht philippus wer mich gesehen hat der hat den vater gesehen wie kannst du sagen zeige uns den vater

und viele christen denken nun jesus wollte damit sagen er und er alleine sei gott was völlig daneben greift

wenn du das leben den weg die wahrheit den sinn das ziel die natur den einen gott sehen willst dann schau mich an und schau dich selber an und schau irgendein lebewesen an und wenn du augen hast zu sehen dann wirst du sehen können

du wirst dann kein ich sehen weder irgendein menschliches noch irgendein tierisches noch irgend ein teuflisches noch irgendein göttliches

es wird dann kein ansehen einer person mehr geben für dich weil du keine person mehr siehst und ansiehst sondern statt dessen reines bedingtes entstehen und vergehen von geistigen und körperlichen materiellen und immateriellen phänomenen erkennst die wir gewohnt sind als lebewesen als tier als mensch als person zu benennen und die wir deshalb als getrennt und unabhängig vom übrigen seienden existierend wähnen

ein wahn nichts anderes nur ein leidvoller und leidverursachender wahn

als erste bedingung für das gehen des lebensweges mit ihm forderte jesus die verleugnung des selbst also die erkenntnis der selbstlosigkeit sowie als zweite bedingung die erkenntnis und anerkennung der bedingtheit des seins in seinen worten das aufsichnehmen des kreuzes

das ist mein verständnis der folgenden aussage jesu in der bibel will jemand mir nachkommen so verleugne er sich selbst und nehme sein kreuz auf sich täglich und folge mir nach gib den glauben an ein selbst auf erkenne das kreuz des bedingten entstehens und vergehens an das dein und alles leben gebunden ist und lasse vertrauensvoll das bedingte entstehen und vergehen walten in deinem leben und in der gesamten existenz

das bedingte entstehen und vergehen ist das was der buddhismus samsara nennt den kreislauf des daseins

samsara zu erkennen ist gleichbedeutend wie nirvana zu realisieren und nirvana zu realisieren bedeutet das leiden am samsara also am kreislauf des entstehens und vergehens zu überwinden

und das ist das einzige ziel der wahre sinn aller buddhistischen lehre und übung nämlich die fähigkeit zu erlangen jederzeit und in jeder situation das aufsteigende oder bereits aufgestiegene leiden an einer konkreten lebenssituation überwinden zu können

eine solche konkrete lebenssituation ist beispielsweise eine körperliche oder psychische erkrankung oder ein unfall der sich auf körper und psyche auswirkt oder irgendein sogenannter schicksalsschlag und nicht zuletzt das konkrete und im grunde genommen lebenslang andauernde und im tod von körper und geist endende sterben

das alles ist ausdruck des der natur innewohnenden leidens der leidunterworfenheit alles lebendigen

an diesem existenziellen leiden können wir nichts ändern es ist was es ist und endet erst mit dem tod des geistkörperlichen prozesses den wir gewohnt sind als ich und mein zu verstehen

wir sterben zwei tode wenn wir den spirituellen weg gehen

der erste tod ist der tod des ego der tod der ichillusion das erwachen zur wirklichkeit dieser tod befreit uns vom leiden am sein

der zweite tod ist der tod des geistkörpers von dem die bibel sagt wer überwindet dem wird kein leid geschehen von dem zweiten tod

das heisst wer die ichansicht überwindet fürchtet sich nicht vor dem tod denn das was er als ich und mein erkannte hat sich als illusion und wahn offenbart und ist so bereits gestorben und nun gibt es nichts mehr das unter dem tod leiden könnte

das mag nun alles sehr theoretisch theologisch philosophisch ausschauen wirkt sich jedoch in der praxis massiv aus

es macht einen bedeutenden unterschied im erleben ob fortwährend ein selbst beschützt verteidigt und für ein selbst gekämpft werden muss oder ob die selbstlosigkeit der existenz erkannt wird und das natürliche bedingte leben sich frei entfalten frei fliessen und frei erlöschen darf

es ist schade und traurig wenn die eine lebenszeit die uns zugestanden ist für das aufrechterhalten der ichillusion verschwendet wird und das wahre frei fliessende leben nie erkannt nie erlebt werden kann weil es als utopie und illusion betrachtet wird und statt dessen das ich das selbst das ego als real

aber die dinge liegen in wirklichkeit umgekehrt und um das zu realisieren bedarf es des erlebens einer tiefen metanoia einer sinnesänderung eines umdenkens einer kehrtwende um hundertachtzig grad

im sutta nipata lesen wir

als glück erkennen es die befreiten
zunichtewerden dieses ichgebildes
der ganzen welt ist freilich dies zuwider
nicht aber denen die verstehen

was glück ist für die anderen
leidig nennts der befreite
was leidig gilt den anderen
der befreite weiss es als das glück

sieh diese lehre die so schwer erkennbar
die einsichtslosen sind hierbei verwirrt

wenn man sich nicht die zeit nimmt und keine innere bereitschaft dazu findet die lehre vom nichtich wirklich ergründen und verstehen zu wollen dann kann man in bezug auf die selbstüberwindung tatsächlich verwirrt werden

von geburt an sind wir konditioniert worden uns als unabhängiges selbst zu verstehen als vom du getrenntes ich als von der übrigen welt getrenntes wesen und es fällt uns schwer diese konditionierung zu durchschauen und uns von ihr zu befreien

ein bisschen einfacher wird es wenn wir zuerst die durchgängige bedingtheit alles seienden ergründen

es fällt nicht so schwer zu erkennen dass nichts ohne ursache entstehen und dass nichts ohne die ihm entsprechenden bedingungen bestehen kann sei es köperlicher oder geistiger natur

wenn wir dann die ursachen und bedingungen gründlich untersuchen werden wir feststellen können dass was auch immer wir entdecken selber schon aus ursachen hervorgegangen ist und durch bedingungen getragen wird

wie tief wir auch forschen in uns selber im gegenüber in der natur nirgendwo werden wir auf ein unbedingtes von anderem unabhängiges mit einem freien willen ausgestattetes etwas stossen das wir als ich oder selbst bezeichnen könnten und das macht über die dinge und über das geschehen hätte und es wird uns mehr und mehr klar dass wir nicht sind was wir denken

natürlich gibt es uns wir sind durchaus real aber nicht als absolutes autonomes selbst sondern als bedingt entstandene und mit den bedingungen sich wandelnde und schliesslich vergehende individuelle lebensform die wir als relatives sein als relatives selbst bezeichnen können wenn wir so wollen

kein absolutismus wird anerkannt schrieb mir nyanaponika auf eine entsprechende frage vor zweiunddreissig jahren es gibt kein absolutes sein weder ein meschliches noch ein göttliches noch ein irgendwie anders geartetes

nichts hat bleibende substanz nichts hat einen unbedingten kern in sich weder körperliches noch geistiges alles ist veränderlich und vergänglich

wir sind bedingt entstandenes veränderliches und vergängliches sein genauso wie das was wir als unsere welt zu sehen gewohnt sind

ich und die welt sind unvermischt und ungetrennt eins bedingt entstanden und in fortwährender veränderung für eine lebenszeit getragen vom dhamma von den natürlichen gesetzmässigkeiten und von ebendiesen auch dem letztendlichen erlöschen anheimgegeben

das bedingte entstehen und vergehen von dem was als ich in der welt erfahren wird annehmen und akzeptieren zu können wird als befreiung vom leiden am selbst und an der welt erlebt

es ist das was der buddhismus als nirvana benennt als das erlöschen des selbstsüchtigen gierens und hassens das am ende der lebenszeit im erlöschen von körper und geist mündet

das ist das leiden dass ich immer neu wieder in die falle laufe in die falle der ichbezogenheit und selbstzentriertheit die mit wollen und nichtwollen verbunden mein erleben überschwemmt und es mitreisst in das erleben von unbefriedigung und qual an ebendiesem erleben

es sei möglich von all dem vollständig frei zu werden lehrte der buddha und dies nicht etwa erst nach dem tod sondern zu lebzeiten in diesem einen gegenwärtigen leben in dieser einen lebenszeit

ich hoffe und möchte es mir gönnen diese vollständige befriedung und befreiung noch bewusst erleben zu dürfen es muss schön sein es wäre das echte glück das wahre paradies auf erden

aber bis es wenn überhaupt soweit sein wird lebe ich mein leben des immer wieder leidens und der immer erneuten leidüberwindung diese immerhin findet tatsächlich immer wieder statt was in sich selber ja schon heil und wohl und glück bedeutet

das einzige unvergängliche glück sagte nyanaponika sei das glück der leidbefreiung weil leiden immer gegenwärtig sei entweder in uns selber oder in unserer mitwelt so dass der weg der leidbefreiung den der buddha gefunden und aufgezeigt hat ununterbrochen gegangen werden kann

ja so ist es und daher ist selbst für den vom psychischen leiden vollständig befreiten menschen der weg der leidbefreiung immer noch da und wird von ihm immer noch gegangen in dem sinne nämlich als in seiner mitwelt immer noch genügend leiden ist und er somit weiterhin ununterbrochen an der überwindung dieses leidens mitwirken und mithelfen kann

epilog

ich habe oder besser die natur dhamma in mir hat das leiden der depression wieder einmal überwunden und indem zu dieser überwindung die beiden kernlehren des buddhismus von der selbstlosigkeit und der bedingtheit massgeblich beigetragen haben hat sich mir die wahrheit dieses weges der leidbefreiung einmal mehr tief eingeprägt und ist so auch wieder zu einer starken bedingung für zukünftige überwindungen geworden

so entwickelt sich das vertrauen die zuversicht in den dhamma in die natur des seins die stets die leidbefreiung zum ziel hat und die auch immer wieder befreiung aus konkretem leiden erwirkt

meine lebenszeit dieses mein einmaliges leben wird so zu einem leben im dienst des dhamma im dienst der leidbefreiung die sich gesetzmässig und ganz natürlich vollzieht

ich darf mich leben lassen ich darf mich vom leben leben lassen dhamma die natur mit ihren gesetzmässigkeiten trägt mich und führt mein leben immer wieder in den frieden und in die freiheit bis zum zeitpunkt des letztendlichen vollständigen erlöschens dieses geistkörpers dem nirvana ohne daseinsrest am ende meiner lebenszeit



prolog, intermezzo und epilog aus dem buch lebenszeit - die überwindung der depression durch einsicht in die selbstlose bedingtheit des seins, beinhaltend im weiteren die drei bücher das buch der letzten tage, das buch für die familie und das buch der heilung